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Dienstag, 18. Februar 2014

Pablo

Ein Graphic Novel von Julie Birmant (Text) und Clément Oubrerie (Illustration)
Band 1: Max Jacob (insgesamt 4 Bände)













Klappentext:
Im Jahr 1900, bei seiner Ankunft in Paris, kennt man Picasso einfach nur als Pablo. Die vierbändige Biografie von Julie Birmant und Clément Oubrerie erzählt von dieser Anfangszeit, als der junge Katalane seinen Weg gerade erst findet.
In “Max Jacob”, dem ersten Band, durchlebt der Künstler ein bewegtes Auf und Ab zwischen kleineren Erfolgen und großen Zweifeln. Doch der Dichter Max Jacob, sein heimlicher Verehrer, glaubt an Pablos neue Kunst…

Leichthändig verknüpfen die Autoren Pablos Geschichte mit der Biografie der wohl bekanntesten Muse des Malers, Fernande Olivier. “Pablo” wird so zum Porträt einer aufblühenden Epoche mit all ihren Lichtmomenten und Schattenseiten.

Kommentar:
«Pablo - Max Jacob» von Julie Birmant und Clément Oubrerie beschreibt die jungen Jahre von Pablo und Fernande parallel und beginnt mit einem Rückblick der alten Fernande auf ihre Jugend. Manchmal ist diese parallele Erzählart etwas verwirrend. Denn die Lebenswege des Künstlers und seiner Muse kreuzen sich in dem Comic erst recht spät.

Pablo ist ansprechend und auch eigenwillig gezeichnet, die Kolorierung wirkt beinahe aquarelliert und passt sehr gut zur Geschichte. Schade ist nur, dass es vier Bände braucht, bis die Lebensgesschichte von Pablo Picasso zu Ende erzählt ist. Der Graphic Novel könnte in dieser Hinsicht etwas stringenter gefasst werden.


Donnerstag, 26. Dezember 2013

Die Ignoranten: wenn Wein und Comic sich begegnen

Ein Graphic Novel von Étienne Davodeau













Klappentext:
Der Comic-Zeichner Étienne schlägt seinem Freund Richard einen außergewöhnlichen Deal vor: Der Winzer soll ihn in die Welt des Weins einführen, im Gegenzug bringt er ihm die Welt des Comics nahe. Richard beginnt, Comics zu lesen, lernt Zeichner kennen, begleitet Étienne auf Comic-Festivals und erhält umfassende Einblicke in das Comic-Schaffen. Étienne lernt, woran man gute Weine erkennt, wie Reben richtig beschnitten werden, wie man Fässer für die Lagerung auswählt und welches die besten Anbaumethoden sind. Doch viel bedeutsamer als das Insiderwissen, das sich die beiden vermitteln, ist die Erkenntnis, dass ihre Professionen mehr gemeinsam haben, als sie ahnten. 

Étienne Davodeau wurde 1965 in der französischen Region Mauges geboren. Nach einem Studium der Bildenden Künste in Rennes gründete er mit Gleichgesinnten ein Comic-Studio. 1992 erschien seine erste Albumreihe "L'homme qui n'aimait pas les arbres". Seitdem hat er zahlreiche Bücher und Comic-Dokumentationen veröffentlicht und für seine Beobachtungen des französischen, ländlichen Lebens viele Preise erhalten. So etwa den Preis für das beste Szenario in Angoulême (für "Les mauvais gens", 2005) und den Gourmand Award für das beste Weinbuch 2012 aus Frankreich für "Die Ignoranten".


Kommentar:
Dieser Graphic Novel animiert zum Wein trinken. Und animiert zudem sich vertieft mit dem Weinanbau auseinander zu setzen. Man erfährt vieles über die Jahreszeiten des Winzers und die damit verbundenen Tätigkeiten. Eine Rolle spielen auch die Produktionsmethoden in der französischen Comic-Industrie. Davodeau besucht gemeinsam mit Leroy seine Druckerei in Belgien, um zu überprüfen, wie seine Farben auf dem ausgewählten Papier zur Geltung kommen sowie seinen Verlag Futuropolis in Paris. Hier bekommt der Leser einen Eindruck der Sorgfalt mit der in Frankreich nicht nur Weine produziert sondern auch Comic-Projekte angeschoben und begleitet werden, was Früchte trägt in originellen Werken wie «Die Ignoranten».En passant besuchen die beiden französischen Protagonisten ein paar Comic-Granden und da wird selbstverständlich das Glas gehoben (und geleert). Die Zeichnungen sind komplett in Schwarz-Weiss gehalten, unaufdringlich und vermitteln auf eine angenehme Weise die gesammelten Eindrücke von Etienne Davodeau. Seine Texte haben einen feinen Humor, sind informativ und lassen den Leser an den Dialogen teilhaben. Ein dickes Comic-Buch, das schnell gelesen werden kann oder etwas langsamer mit einem Glas Wein in Reichweite.




Blau ist eine warme Farbe

Ein Graphic Novel von Julie Marod














Klappentext:
Das Leben von Clementine kippt an dem Tag, als sie Emma trifft, eine junge Frau mit blauen Haaren, die sie alle Facetten der Lust entdecken lässt und ihr ermöglicht, sich dem Blick der anderen zu stellen. Eine einfühlsame Erzählung voller Zärtlichkeit.Die ebenso sanfte wie tragische und mit autobiografischen Elementen versehene Coming-Out Geschichte über die zwei jugendlichen Frauen Clementine und Emma, die miteinander eine Liebesbeziehung eingehen und deswegen den homophoben Attacken ihrer Umwelt ausgesetzt sind, erhielt auf den Filmfestspielen von Cannes 2013 als Verfilmung "Blue is the Warmest Colour" mit der Goldenen Palme die wohl wichtigste cinephile Auszeichnung der Filmbranche und wurde somit in der Geschichte des Festivals als erster Film, der auf einer Comicvorlage basiert, ausgezeichnet. Die in Angoulême lebende Schöpferin der Vorlage, Julie Maroh, wiederum erhielt für ihr Graphic Novel-Debüt bereits im Jahr 2011 den Prix du Public auf dem berühmten Festival der Stadt.

2011 erhielt der Comic auf dem Festival in Angoulême, wo Julie Maroh heute lebt, den Publikumspreis. Die Krönung hätte die Verfilmung vom franco-tunesischen Regisseur Abdellatif Kechiche sein können, die 2013 auf den Filmfestspielen von Cannes sogar die Goldene Palme erhielt.


Kommentar:
Zuerst war der Graphic Novel und dann wurde der Film produziert. Das ist, so weit ich das überblicken kann, eher eine Seltenheit. «Blau ist eine warme Farbe» ist ebenso interessant erzählt wie gestaltet. In einer farbig kolorierten Rahmenhandlung liest Emma das Tagebuch ihrer verstorbenen Freundin Clementine. Deren Aufzeichnungen setzt Julie Maroh in schwarzweisse Bilder um, wobei sie lediglich blau als Schmuckfarbe einsetzt, zunächst für den Pullover von Thomas und dann nur noch für die Haare von Emma. Es handelt sich nicht so sehr um eine Coming Out-Story, sondern um ein Liebesdrama. Es ist so gesehen eher zufällig, das die beiden Hauptfiguren einfach Mädchen sind. Eigentlich spielt sich die Geschichte in einem eher konventionellen Rahmen ab und es treten die zum Teil fast klischeehaft wirkenden Vorurteile auf.

Bei meiner Internetrecherche habe ich gelesen, dass die Autorin Julie Maroh sich über die Filmadaption ihrer Graphic Novel geärgert hat. Die Inszenierung der Liebesszenen durch Regisseur Abdellatif Kechiche habe recht wenig mit der Realität zu tun, sondern damit, wie heterosexuelle Männer sich Lesbensex eben vorstellen würden. Beim überlangen dreistündigen Film empfand Sie als auch respektlos, wie mit der gut und mitreissend erzählten Comicvorlage umgegangen wurde.



Verblendung (Bd. 2)

Die Millennium Trilogie von Stieg Larsson
Adaption von Sylvain Runberg (Text) ) und José Homs (Zeichnungen) 


Klappentext:
Der Journalist Mikael Blomkvist wird von einem alten, zurückgezogen lebenden Konzernchef engagiert, um im Fall seiner 1966 verschwundenen Großnichte zu ermitteln. Blomkvist wird bei seinen Recherchen von der Punkerin und Top-Hackerin Lisbeth Salander unterstützt, die eine Menge emotionalen Ballast mit sich herumschleppt. Gemeinsam stoßen die beiden auf eine grauenhafte Mordserie, die bis in die Gegenwart reicht…


Die kongeniale Adaption der atemberaubenden schwedischen Thriller-Trilogie.

Diese Ausgabe enthält als handliches Splitter-Book Band 1 und 2 der Alben "Millennium-Trilogie" Verblendung.

Kommentar:
Das grafischen Umsetzen berühmter Romane, die zudem noch verfilmt sind, ist ein schwieriges Unterfangen, weil sie naturgemäss verkurzt werden müssen. Selber habe ich weder die Trilogie als Buch gelesen, noch die Verfilmung angeschaut. Das befreit von vorgefassten Bildern, die man im Kopf herumträgt. Ganz offensichtlich eignen sich die Geschichten von Stieg Larsson jedoch sehr gut für eine Adaption in andere Medien. Runberg und Homs fangen Atmosphäre und Inhalt in Wort und Bild einfach passend ein. Die Atmosphäre stimmt
und Lisbeth ist auch in ihrer zeichnerischen Umsetzung etwas Besonderes. Trotz heller Farben herrscht eine düstere Atmosphäre. Da sich auch im zweiten Millennium-Album bei José Homs’ hohem darstellenden Niveau keine Abnutzungserscheinungen zeigen, darf man sich sehr auf die nächsten vier Bände dieser Reihe freuen, in denen die Larsson-Romane «Verdammnis» und «Vergebung» nacherzählt werden.