Mittwoch, 21. Mai 2014

Vasmers Bruder

Ein Graphic Novel von Peer Meter (Autor) und David von Bassewitz (Zeichnungen)




















Klappentext:
Der Fall des Serienmörders und Kannibalen Karl Denke ist bis heute rätselhaft. Zwischen 1903 und 1924 hat er im schlesischen Städtchen Münsterberg (heute Ziebice) rund 30 Menschen getötet und zum Teil verspeist, und nur durch Zufall wurde er verhaftet. Bevor er jedoch verhört werden konnte, erhängte er sich in seiner Zelle. Seine Motive blieben im Dunkeln. Peer Meter, der bereits das Szenario zu HAARMANN schrieb, hat sich zusammen mit dem Zeichner David von Bassewitz, daran gemacht, auf Grundlage dieser Begebenheiten die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der über Denke forscht, sich aber während dieser Arbeit selbst verliert. Eine ebenso spannende wie düstere Geschichte, die erschreckt und fasziniert.

Autoreninfos:
Peer Meter wurde 1956 in Bremen geboren und lebt heute als freier Autor in Worpswede. Er war Mitherausgeber und Redakteur der Literaturzeitschrift Stint, hat an Theaterprojekten gearbeitet und Kurzprosa in Literaturzeitschriften veröffentlicht. 

David von Bassewitz (1975) studierte Filmwissenschaft und Illustration. Er lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Berlin. Zu seinen Auftraggebern gehören DIE ZEIT, DER SPIEGEL, Stern, BBC History Magazine, Le Nouvel Observateur u.v.a.


Kommentar:

Das Bild auf dem Cover zieht mit seiner bedrückenden Stimmung den Leser gleich in seinen Bann. Diese Stimmung zieht sich auch durch das ganze Buch. Beim ersten flüchtigen Durchblättern ist auf den düsteren Seiten des Graphic Novels kaum etwas zu erkennen, doch bei näherer Lektüre ist dann plötzlich doch alles da. Es braucht schon viel Talent um mit derart reduzierten finsteren Bildern auf denen nur sehr selten Licht ins Dunkle kommt, so viel auszudrücken, wie es David von Bassewitz gelingt. Nicht nur die Aufarbeitung der authentischer Geschichte um den Serienmörder Karl Denke, sondern auch die in der Jetztzeit spielende, fiktive Geschichte mit überraschendem Ende, zeugt vom grossen Können des Autors Peer Meter. Dieser Graphic Novel darf in keiner Sammlung fehlen.




Wie ein leeres Blatt

Ein Graphic Novel von Pénélope Bagieu (Autorin und Boulet (Zeichnungen)














Klappentext:
Pénélope Bagieu variiert in WIE EIN LEERES BLATT das klassische Thema einer Heldin mit Gedächtnisverlust auf ebenso wunderbare wie originelle Weise. Die junge Pariserin Eloise kommt eines Abends auf einer Bank zu sich und weiß nicht mehr, wer sie ist. Langsam erforscht sie ihr eigenes, leider viel zu banales Leben, in dem sie sich weder als Geheimagentin noch als Klon ihrer Selbst oder als Verbrecherin entpuppt. Ohne je herauszufinden, was ihr zugestoßen ist, ergreift sie die Chance und beginnt ihr Leben noch einmal neu - wie ein leeres Blatt.

Autoren Info:
Penelope Bagieu wurde 1982 als Tochter korsischer und baskischer Eltern geboren, und studierte an der Ecole nationale supérieure des Arts Décoratifs, wo sie sich auf Multimedia und Animation spezialisierte. Nach ihrem Abschluss arbeitet sie in der Illustration und für große Werbekampagnen, für Buchverlage und für Pressepublikationen. Es folgen die dreibändige Comic-Serie JOSEPHINE, die alsbald eine Verfilmung, und Übersetzungen in zahlreichen Ländern erfährt, sowie das Album CADAVRE EXQUIS im Rahmen der Reihe »Bayou«, das 2010 in die Auswahl des Comic-Festivals von Angoulême aufgenommen wird. Ausserdem ist sie Herausgeberin einer Comic-Reihe im Taschenbuchformat.

Boulet, 1975 geboren, beginnt zunächst im Magazin TCHÔ! des Verlags Glénat zu veröffentlichen, wo seine vier Hauptserien veröffentlicht werden: RAGHNAROK, LA RUBRIQUE SCIENTIFIQUE, WOMOKS mit Reno als Zeichner, sowie LE MIYA, mit eben jenem Reno, Julien Neel und Libon. Gleichzeitig ist er (neben Nicolas Wild) Co-Autor für Lucie Albons LE VŒU DE MARC, und für LE VŒU DE SIMON (neben Lucie Albon selbst).


Kommentar:
Boulet und Pénélope Bagieu erzählen eine interessante und spannende Geschichte, die einem relativ kurz gefassten aber glaubwürdigen Ende zuläuft. Hauptaugenmerk liegt auf der selbstentfremdeten Eloise und ihrem Umgang mit dem somit nicht alltäglichen Alltag. Humorvoll gehen die Autoren auch damit um, dass Eloise immer wieder obskuren was-wäre-wenn-Gedanken nachhängt. Mir hat die Geschichte sehr gefallen. Die Zeichnungen wirken klar und auf den ersten Blick verspielt und erfrischend simpel. Sie entpuppen sich aber oftmals als detaillierte, vielschichtige Spiegelungen der Handlungsebene. Graphisch sehr interessant. Was mit Leichtigkeit und Spannung daher kommt, offenbart sich als existentielle Suche nach dem eigenen Ich. Und die beschäftigt schließlich uns alle. Oder?



Sonntag, 4. Mai 2014

Die Liebe

Ein Comic von Bastien Vivés













Klappentext:
Ah, die Liebe! Mit diebischer Freude seziert Bastien Vivès die unterschiedlichen Spielarten des schönsten Gefühls der Welt. Ob nun beim ersten Rendezvous gewissenhaft die Checkliste der potenziellen Gemeinsamkeiten abgearbeitet wird oder der Kollegin eine SMS mit der Einladung fürs spontane Schäferstündchen geschickt wird: In Bastien Vivès’ pointierten Episoden über zwischenmenschliche Verstrickungen aller Art wird nichts beschönigt, sondern gnadenlos aufs Korn genommen. Mit schnellem Strich legt Bastien Vivès in “Die Liebe” sein Augenmerk auf den Dialog zwischen Paaren. Boshaft, dramatisch, schonungslos ehrlich und zum Schreien komisch.

Über den Autor:
Bastien Vivès, geboren 1984, kann bereits in jungen Jahren auf ein vielfältiges Œuvre zurückblicken. Mit Büchern wie "Der Geschmack von Chlor" und "Polina" hat er sich als Vorreiter einer neuen Generation französischer Comicschaffender etabliert. "Die Liebe" bildet den Auftakt zu einer Reihe von thematisch zusammengestellten Miniaturen, die Bastien Vivès zunächst auf seinem Blog veröffentlichte.

Kommentar:
Eine ideale Ergänzung zu den pointierten Dialogen sind Bastien Vivès’ lässig hingeworfene Zeichnungen. Der Illustrator erzählt seine Geschichten mit sich im Laufe der Handlung kaum verändernden Einzelbildern und zeigt fast nie die Mimik seiner reduziert dargestellten Hauptfiguren. Ich persönlich finde die Zeichnungen genial. Parallelen mit den chinesischen oder japanischen Tuschzeichnungen sind zu erkennen.