Donnerstag, 13. März 2014

Die Adler Roms Buch IV




















Ein Comic von Marini

Klappentext
Die Ruinen haben es vorhergesagt: Er wird derjenige sein, der die germanischen Stämme einen wird. Selbst wenn er dafür Rom verraten muss, die Stadt, die im alles gegeben hat, die aus ihm den Mann gemacht hat, der er ist. Arminius wird also das Römische Reich herausfordern. Und Marcus wird Arminius, seinem Blutsbruder trotzen. 
So wird sich das Schicksal erfüllen, unter Missachtung der Geschichte und der Freundschaft... und selbst der Liebe? Denn auch wenn Marcus ein römischer Soldat ist, gehört sein Herz doch nicht dem Reich, sondern Priscilla, die ihm ein zweites Mal zu entwischen scheint. Wird er sich von seiner Liebsten lossagen - und von seinem Sohn, der einen anderen als ihn "Vater" nennt?

Kommentar
Der neue Band von Marini ist düster, blutig und in fahlem Licht inszeniert. Die Protagonisten sind listig und heroisch (Arminius) sowie verzweifelt (Marcus) bemüht die römische Herrschaft zu stürzen bzw. zu warnen. Die bedrohliche Atmosphäre wird aufgelockert durch häusliche, liebevolle Szenen bei Priscilla und ihrem (und Marcus) Sohn Titus sowie romantischen Begebenheiten mit Hermann und Thusnelda. Wobei der ahnungslosen Erstleserin erst hier klar wird, welch doppeltes Spiel Arminius spielt. Trotz der meiner Meinung nach recht klischeehaften Inszenierung (Blut, Krieg, Kampf und nackte Haut) werden doch auch tiefsinnigere Themen wie Liebe, Freundschaft oder Verrat angesprochen, weshalb der Comic hoffentlich nicht nur männliche Leser ansprechen wird.

Tanja, Praktikantin

Mittwoch, 12. März 2014

Jetzt kommt später

Ein Graphic Novel von Kati Rickenbach (Text und Illustrationen)














Klappentext:
In dieser autobiographischen Graphic Novel erzählt die Autorin von ihrem Coming of age anhand von zwei Hamburg-Aufenthalten: 2004, als Studentin, prägen endlose Parties und komplizierte Beziehungen die Geschichte, 2009 ist sie selbstständige Illustratorin und in einer festen Beziehung. Jetzt dreht sich vieles um Familiengründung und Brotjobs.

Autoreninfo:
Kati Rickenbach wurde1980 in Basel geboren, lebt und arbeitet in Zürich. Bekannt geworden ist Rickenbach durch ihre Publikationen im züritipp im Sommer 2006 und durch verschiedene internationale Ausstellung, z.B. "Kleiner als das Leben, grösser als die Realität - neue deutschsprachige Comicerzähler". Zahlreiche Beiträge in Anthologien wie ORANG, STRAPAZEN, PLUSPLUS u.a. Auf der Webseite der Autorin finden sich regelmäßig neue Tagebuchcomics und Auszüge aus ihrem neuen, in der Entstehung befindlichen Buch. Außerdem präsentiert sie dort sonstige aktuelle Projekte, Ausstellungen und Livezeichnungsevents sowie eine Auswahl verschiedener illustrativer Arbeiten, die in den letzten Jahren entstanden sind.

Kommentar:
Das illustrierte Tagebuch von Kati Rickenbacher ist sehr lebendig und direkt, ohne „Filter“ aus ihrem Leben gegriffen. Obwohl es keine eigentlichen Höhepunkte gibt, liest sich diesen Comic flott und ohne Unterbruch. Man kann sich gut ins Leben von Kati Rickenbacher hineinsetzen und sich vorstellen, wie das abgelaufen ist. Spannend und sehr gekonnt ist die Verschachtelung von zwei Zeitspuren, Hamburg 2004 und Hamburg 2009. Zwei Perioden mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Bekanntschaften und Beziehungen, aber mit einem Leben in Transit als Kernthema. Apropos: es regnet in Hamburg sehr viel.
Die Zeichnungen sind bewusst ein wenig trashig gehalten, aber die Zeichenstriche sitzen und erinnern an die Unterground Comics aus den USA der 70er und 80er Jahre. Die kurzen Comic-Streifen im Anhang gefallen mir sehr gut und haben auch einen Bezug zum Erlebten aus dem Tagebuch. Wenn Kati Rickenbacher so weitermacht und dürfen wir uns auf einige gute Comics freuen.




Stress um Strapse

Ein Comic von Léo Malet (Autor) und Nicolas Barral (Illustrationen)














Klappentext:
Schöne Russinnen hüten so manches Geheimnis. In diesem Fall betreffen die Geheimnisse unter anderem Damenunterwäsche, und die kann Nestor Burma nicht allein lüften, sondern muss auf die Unterstützung seiner Sekretärin Helene zurückgreifen.?Er selbst schlägt sich indessen mit Frauenleichen im Wandschrank herum, und dann geht es auch noch um die Kronjuwelen des Zaren…

Autoreninfo:
Léo Malet (1909 - 1996) war ein französischer Kriminalschriftsteller und Dichter. 1943 erschien sein Roman "120, Rue de la Gare", der Beginn einer Reihe um den Pariser Privatdetektiv Nestor Burma.

Kommentar:

Ein Krimi aus Paris und diesmal ohne einen Kommissar Maigret, sondern mit einem gewieften Detektiv Nestor Burma mit charmanter Assistentin Helen. Der Plot ist klassisch und nicht allzu kompliziert oder vielschichtig und wurde aus einer Romanserie (15 Ablieferungen) von Leo Malet aus den 50ern entnommen. Alle Orte des Geschehens sind im Anhang schön auf einem Stadtplan von Paris verortet. Gut gezeichnet und lesenswert, aber nicht herausstechend.

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Der Maler der Ewigen Portrait Galerie

Ein Graphic Novel von Matthias Gnehm














Klappentext:
Ein erfolgloser Kunstmaler entdeckt zwischen alten Fotos seiner verstorbenen Grossmutter ein kleinformatiges Portrait von ihr: ein gemaltes Original. Das Bild gibt ihm ein Rätsel um seine eigene Herkunft auf, das ihn nicht mehr loslässt. Bis er auf eine aussergewöhnliche Portraitgalerie stösst, die niemand anders als sein Grossvater für die Ewigkeit angelegt hat: 


Eine virtuose und rasante Graphic Novel um die Bedeutung von Bildern und die Macht der Kunst und der Liebe.

Autoren Info:
Matthias Genehm wurde 1970 geboren, ist ausgebildeter Architekt und lebt in Zürich. Früher arbeitete Matthias Gnehm mit dem Szenaristen Francis Rivolta zusammen, unter anderem für den Bundeshaus-Comic "Rätsel in Weiss". In seine Werke lässt er immer wieder seine Leidenschaft für Architektur und Wissenschaft einfliessen.


Kommentar:
Matthias Gnehm kann gut zeichnen, sehr gut sogar. Matthias Gnehm hat aber auch noch eine Art „Geschäftsidee“, nämlich die der „Ewigen Portrat Galerie“. Und Matthias Gnehm kann eine Geschichte erzählen. Diese Kompetenzen sind nun in einem Comic zusammen geführt. Die Geschichte ist emotional und befasst sich mit dem Thema „a la recherche du temps perdu“, mit der Vergangenheit und mit der Gegenwart.  Dabei kommt der Autor komplett ohne Sprechblasen aus, wird Text benötigt, steht dieser auf einem der vier Panels auf einer Weissfläche. Erstaunlich ist, dass trotz dieser enorm statischen Bilderzählweise eine hochemotionale Geschichte transportiert wird.
Obwohl die Aufmachung des Comics relativ monoton ist, vier Panels pro Seite, die manchmal zu einem Panel zusammengefasst sind (der Architekt lässt grüssen?), wirkt das Ganze trotzdem lebendig. Die abgebildeten Portraits (Kernthema des Comics) sind kleine Kunstwerken. Man kann sich übrigens ein Portrait von ihm anfertigen lassen: www.eternalportraitgallery.com. Das kostet CHF 300.-, aber dürfte durchaus seinen Preis wert sein.




Mittwoch, 5. März 2014

Carlos Gardel: die Stimme Argentiniens

Ein Graphic Novel von José Muñoz (Autor) und Carlos Sampayo (Illustrationen)



















Klappentext:
Am 24. Juni 1935 verliert die Musik bei einem Flugzeugunglück einen ihrer ersten Weltstars: Carlos Gardel, die wichtigste Persönlichkeit des Tango, die Stimme Argentiniens, ein Mythos bereits zu Lebzeiten.
Seine Landsleute Carlos Sampayo und José Muñoz («Alack Sinner») haben dem großen Tangosänger und –komponisten nun einen Comic von unvergleichlicher Eleganz gewidmet, der die steifen Pfade der biografischen Comics weit hinter sich lässt. Atmosphärisch dicht, sinnlich, voller Leben und Musik, so zeigen sie den Aufstieg des geheimnisumwitterten Carlos Gardel in Buenos Aires und liefern darüber hinaus ein eindrucksvolles Sittengemälde Argentiniens im frühen 20. Jahrhundert.

Autoren-Info:
Carlos Sampayo, geboren 1943 in Argentinien, emigrierte aus politischen Gründen nach Spanien, wo er die Bekanntschaft von José Muñoz machte, für den er in der Folge Szenarios für “Alack Sinner” und die Comic-Biografie der Jazz-Sängerin «Billie Holiday» (deutsch beide bei Edition Moderne) verfasste. Neben Comics schreibt Carlos Sampayo auch Romane und arbeitet als Musikkritiker.

José Muñoz, geboren 1942 in Buenos Aires, Argentinien, siedelte in den frühen Siebzigerjahren nach Europa über. Mit den Hard-boiled-Krimis um «Alack Sinner» etablierte José Muñoz seinen schnörkellos-expressiven Zeichenstil, für den er sowohl auf dem Comic-Salon Erlangen geehrt wurde, als auch mit dem “Grand Prix de la Ville d’Angoulême”, der wichtigsten Auszeichnung des europäischen Comics.

Kommentar:
Ohne diesen Comic hätte ich nie gewusst, wer Carlos Gardel war. Das Porträt über die Tango-Legende wagt sich an ein Nationalheiligtum. Die Geschichte pendelt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Gardel wird (neben einigen Flashbacks in seine Kindheit und Jugend) umworbener Star auf dem Höhepunkt seiner Karriere Anfang der 30er Jahre gezeigt. Rätselhaft bleibt sein Verhältnis zu den Frauen – er hat eine Verlobte, die er nie trifft, begegnet zahlreichen Frauen, ohne dass Affären konkret belegt sind, pflegt ein intensives Verhältnis zu seiner Mutter – die möglicherweise gar nicht seine leibliche ist. Diese und andere ungeklärte Fragen wie seine dubiosen Beziehungen zu Politikern, Gangstern und Anarchisten, werden aus der Perspektive einer fiktiven Talkshow des Jahres 2000 beleuchtet, wo sich zwei Gardel-Experten verbissen über die Legende streiten – war er schüchtern oder schwul, ein Spieler, ein rücksichtsloser Opportunist ohne Gewissen, stand er gar den Kommunisten nahe?  

Obwohl der Zeichnungsstil von José Muñoz nicht mein Ding ist, überzeugt die Arbeit, die in den wohl härtesten schwarzweissen Kontrasten wiedergegeben ist, die es im Comic überhaupt gibt. Gezielte Pinseltupfer hie und da genügen dem Zeichner, um eine Stimmung, eine Vision der 30er Jahre zu erschaffen. Die einzelnen Panels sind schön und detailreich.