Sonntag, 17. November 2013

Das Erbe

Ein Graphic Novel von Rutu Modan

















Klappentext:
Nach dem Tod ihres Sohnes reist die Israelin Regina Segal mit ihrer Enkeltochter Mika nach Warschau. Es ist das erste Mal, seit sie ihre Geburtsstadt verlassen hat, und sie hat ein Dokument dabei, das ihr das Recht auf das Haus, das ihre Eltern während des Zweiten Weltkrieges verloren haben, zusichert. Aber in Polen ist Regina gezwungen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und Mika fragt sich, ob ihre Grossmutter womöglich ganz andere Gründe für diese Reise hatte, als sie vorgibt. Mit unwiderstehlichem Witz entführt uns Rutu Modan in eine Welt mit eigensinnigen Senioren, neunmalklugen Bediensteten und ausgesprochen sturen Rauen; eine Welt , deren Protagonisten oft absurd zu reagieren scheinen und uns genau darin so gleichen.

Rutu Modan ist eine israelische Comiczeichnerin, die immer wieder aktuelle Entwicklungen aus ihrem Heimatland aufgreift und in ihren Werken verarbeitet. 

Kommentar:
Die erzählte Geschichte ist spannend, vielschichtig und komplex. Wer sich ein wenig in der Diskussion um Israel und die europäischen Juden nach dem Holocaust auskennt, findet sehr viele feine Kleinigkeiten, die amüsieren und nachdenklich machen. Was passiert, wenn jemand auf den Spuren der Vergangenheit, der Geschichte der eigenen Familie ist, dabei auf Zeitzeugen trifft, bislang ihm unbekannte Details entdeckt, mit konkurrierenden Interessen konfrontiert wird und dann auch noch zart aufkeimende Liebe im Spiel ist? Es ist aber auch eine sehr fröhliche Geschichte und dazu spannend und gut gezeichnet. Vielleicht ist es auch ein Märchen – rührend und faszinierend!







Dead Heart

Ein Graphit Novel von Christian de Metter
(Nach dem gleichnamigen Roman von Douglas Kennedy)















Klappentext:
Der amerikanische Journalist Nick Hawthorne kauft einen alten VW-Bus und reist durch Australien. Als er die junge Anhalterin Angie mitnimmt, beginnt ein Horrortrip. Denn nach einer wilden Nacht mit Angie wacht Nick vier Tage später in ihrem Heimatort Wollanup auf, einem gottverlassenen Kaff im Innern des Kontinents, im „Dead Heart“.
Ein Ort, wie ihn nur eine gestörte Phantasie erdenken kann... 

De Metter arbeitete zunächst für ein Rock-Magazin und vollendete seinen ersten Comic «Emma» im Jahr 2000. 2004 erhielt er zusammen mit Catel den Publikumspreis in Angoulême für das beste Album: «Le  Sang des Valentines». Seine Krimiadaption des Klassikers «Scarface» wurde ebenfalls in der SZ Graphic Novel Edition “Krimi” veröffentlicht.

Kommentar:
Die Geschichte ist zwar spannungsvoll und mit einer Prise Horror versehen, wird aber sicher keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dafür ist sie einfach zu oberflächlich, wie auch Nick es ist, von Angie ganz zu schweigen. Die Charaktere sind allesamt nicht besonders ausgefeilt. Die Geschichte an sich mutet mich ein bisschen surreal an. Es gibt kein Ausweg, eine Flucht ist schier unmöglich. Solche Ingredienzen, treffen wir öfters in der Literatur oder im Film an.

Die Illustrationen sind aber gut gezeichnet und koloriert. Der Aufbau ist mit der Anordnung der Panels klassisch. Ein Storyboard für einen Kinofilm oder Fernsehthriller lässt sich sicher daraus machen.









Freitag, 15. November 2013

Guyanacapac


Ein Comic Xaver Dorison (Text) und Mathieu Lauffray (Illustrationen)
aus der Serie "Long John Silver", Bd. 4













Klappentext:
Long John Silver ist der letzte große Pirat! Er hat Verbrechen begangen, aber er hatte auch Träume. Er kämpfte für Gold und Ehre, für seine Kameraden und die schöne Lady Hastings. Im vierten und letzten Band kommt es zum Showdown um das Gold Amazoniens.

Nach drei Jahren Wirtschaftsstudium an der Eliteschule Ecole de Commerce arbeitet Xavier Dorison bei Barclays Corp. In seiner Freizeit schreibt er die Comicserien »Das Dritte Testament« (bei Glénat), »Prophet« und »Sanctuaire« (beide bei Les Humanoïdes Associés). »Das Dritte Testament«, die Serie von zwei Newcomern der Comicszene wird schon mit dem ersten Band zum Bestseller. Die Vorbilder Dorisons sind Stephen King, Michael Crichton und Jean Van Hamme. Vor kurzem hat er die Gesellschaft Script Company gegründet, eine Tochterfirma der Videospielschmiede Dark Works, die sich auf das Schreiben von Szenarios spezialisiert hat.

Kommentar:
Comic, Piratenabenteuer, Hommage an einen weltberühmten Klassiker. Der letzte Band der Serie von insgesamt vier Bänden, schliesst mit einem Armageddon ab. Die Stimmung ist nachwievor düster, schlammig und feindselig. Und wie immer geht es um Gold und Macht (sowie ein bisschen Ehre). Und eben, der Schluss beinhaltet, wie bei so vielen solcher Comics mit Abenteuer und Fantasy Charakter, keine echten Überraschungen - es kommt leider ein bisschen trivial daher.
Es geht für alle Protagonisten gut aus: Lady Hastings und der undurchsichtige Doktor Livesey überleben den Showdown und überwintern auf Barbados. Long John Silver jedoch bleibt, schwer angeschlagen, zurück und blickt sitzend auf den Schatz von Guyanacapac, sein unausweichliches Ende entgegen. Etwas anderes kann man sich für diesen finsteren Hauptdarsteller nicht vorstellen.

Der Comic ist wirklich gut gezeichnet mit einem Auge fürs Detail. Harte Schnitte von Nahaufnahmen zu Panoramen und wieder zurück; Perspektive und Tempo wechseln ebenso schnell wie in Film. Die Atmosphäre stimmt; so hat man sich das Leben im Jungle des Amazonas immer vorgestellt.